Abwasser wird zum Rohstoff

Markus Juchli, Technischer Leiter der ARA Emmenspitz in Zuchwil erklärt, wie viel Energie in einer Kläranlage steckt.

Markus Juchli im ZASE Areal

Energiequelle sprudelt in der Region

Wer aufgrund des Titels denkt, man sei hier bei uns auf Öl gestossen, den müssen wir enttäuschen. Aber das Abwasser aus regionalen Kläranlagen wird in Form von Biogas ebenfalls zum wertvollen Rohstoff.

Badewannenstöpsel ziehen, das Schaumbadwasser gurgelt im Ablauf. WC-Spülung, Schmutzwasser aus der Wasch- oder Geschirrspülmaschine, Regenwasser: Allein in unserer Region landen Millionen Liter Abwasser aus Industrie, Landwirtschaft und Privathaushalten in der ARA Emmenspitz in Zuchwil. Aus 47 Gemeinden des Zweckverbandes der Abwasserregion Solothurn-Emme (ZASE) gelangt das Abwasser durch ein ca. 100 km langes Kanalnetz zur Kläranlage, wo es gereinigt und aufbereitet wird. 

Abwasser ist nicht einfach nur eine übelriechende Brühe, sondern auch ein Rohstoff. Der nach der Reinigung verbleibende Klärschlamm enthält 50 bis 60 Prozent organische Stoffe. «Bis dieser ‹Rohstoff› als Energieträger verwendet werden kann, durchläuft das Abwasser ein ausgeklügeltes Prozedere», erklärt Markus Juchli, Technischer Leiter der Kläranlage. Nach der mechanischen und biologischen Abwasserreinigung, die bei trockenem Wetter ca. 14 Stunden dauert, wird das gereinigte Wasser in die Aare geleitet. Der verbleibende Klärschlamm wird weiter aufbereitet, entwässert, in Mulden abgefüllt und in der KEBAG zusammen mit dem Kehricht verbrannt und weiter genutzt – für Fernwärme, Dampf oder Strom.

Container auf dem ZASE Areal

Biogas dank Faulung

Das Verbrennen von Klärschlamm wird jedoch schon bald Geschichte sein. Regio Energie Solothurn hat im 2010 begonnen, nach ökonomischen Möglichkeiten zu suchen, den anfallenden Klärschlamm zu Biogas aufzubereiten und ins Erdgasnetz einzuspeisen. Ein Vorprojekt und eine Machbarkeitsstudie ergaben vielversprechende Perspektiven. Fazit: Der ZASE investiert 8 Millionen Franken. Er baut und betreibt den neuen, 15 Meter hohen Turm für die Faulung. 

Dachansicht ZASE Areal

Der Verkauf des Biogases und die Einsparungen bei der Schlammentsorgung rechnen sich. Regio Energie Solothurn investiert 2,4 Millionen für die Gasaufbereitung und den Anschluss ans Erdgasnetz und realisiert für ihre Kunden ein weiteres Angebot aus erneuerbaren Energien. Die Bauprofile stehen. Zwölf bis sechzehn Monate nach dem Spatenstich im Frühling 2013 werden nach der Inbetriebnahme durchschnittlich 5,6 Millionen Kilowattstunden Biogas zur Verfügung stehen. «Damit liessen sich 280 Einfamilienhäuser mit 100 Prozent Biogas versorgen», freut sich Thomas Schellenberg, Leiter Markt bei Regio Energie Solothurn, und rechnet gleich weiter: «5,6 Millionen Gigawattstunden ergeben Treibstoff für ca. 10 Millionen Kilometer.» Damit könnte man auf der Höhe des Äquators zweihundertfünfzig Mal um die Erde fahren. Das Abwasser aus der Region ist – nach der sinnvollen Aufbereitung – eine wertvolle Ressource, die nicht verschwendet werden sollte.

Luftaufnahme des ZASE Areal

Vielseitiges Erdgas und Biogas; heizen, kochen, backen. Strom und Kälte produzieren oder (fast) emissionsfrei Auto fahren: Wer Biogas für seine täglichen Bedürfnisse nutzt, verbessert seine Umweltbilanz. Regio Energie Solothurn versorgt die Stadt Solothurn und 21 weitere Gemeinden mit Erdgas. Erfreulich: Schon heute verwendet eine sensibilisierte Kundschaft Biogas aus der regionalen Kompogasanlage in Utzenstorf. Klimawandel, Rohstoffknappheit, Atomausstieg und steigende Preise: Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sind gefordert. Thomas Schellenberg: «Regio Energie Solothurn setzt alles daran, Kundinnen und Kunden sowohl saubere als auch preiswerte Energie zu liefern. Auch deshalb beteiligen wir uns an zukunftsgerichteten, ökologisch sinnvollen Produktionsanlagen. Biogas aus dem ZASE ist ein weiteres Puzzleteilchen auf diesem Weg.» 

Energiezeitschrift (1/13), Helena Tillein