Die private Energiewende ist ansteckend

Kosta Urosevic hat sich nach und nach an Elektromobilität und Solarenergie herangearbeitet. Er zeigt, was alles möglich ist, wenn man langfristig plant und konsequent vorgeht.

Elektroautos waren schon lange eine Leidenschaft von Kosta Urosevic. Sein erstes  Elektroauto war vor mehr als 15 Jahren ein Mitsubishi i-MiEV, eines jener kleinen, leichten  Fahrzeuge, die nach japanischen Kleinwagennormen gebaut wurden. Seinen damaligen etwa 65 Kilometer langen Arbeitsweg schaffte der Wagen im Winter gerade so knapp. In den vergangenen 15 Jahren fuhren Kosta Urosevic und seine Frau mehr als 500000 Kilometer mit rein elektrisch betriebenen Fahrzeugen verschiedener Marken. Heute fahren sie im Alltag einen BMW i3. Für Langstrecken nutzen sie einen BMW iX. So wird auch das mit Anhänger 8 Meter lange und 2,5 Tonnen schwere Segelboot in den Ferien rein elektrisch ans Meer gezogen. «Ich habe das Boot im Sommer an die Ostsee gefahren», erzählt Kosta Urosevic. «Früher war es mit dem Gespann oft schwierig, Ladepunkte zu finden, die man seitlich anfahren konnte. Aber mittlerweile gibt es sehr viel mehr Lademöglichkeiten für längere Fahrzeuge, Lastwagen und Gespanne. Die lassen sich mit der App «E-Trucker» sehr einfach lokalisieren. Damit sind  auch lange Elektrofahrten mit Anhängern und Wohnwagen viel einfacher geworden – ohne mühsames Abkoppeln des Anhängers an Schnellladestationen.

Elektromobilität ist ansteckend

Schon lange vor den gegenwärtigen Energiekrisen wurde Kosta Urosevic klar, dass man sich nicht ewig von ausländischen Öllieferanten abhängig machen sollte. Sein Aha-Erlebnis hatte er, als er 2009 in Dubai die Eröffnung der grössten Skihalle der Welt miterlebte. «Der fossile Irrsinn kann so nicht weitergehen», sagte er sich. Kurz nach den ersten Schritten in die Elektromobilität stellte er in seinem Haus die Heizung auf Pellets um – hier eine Tonne Heizöl weniger, da ein paar Hundert Liter Diesel gespart, eines nach dem anderen. «Das ist unsere persönliche Energiewende», erzählt Kosta Urosevic. «Niemand kann alles aufs Mal machen, das wäre viel zu teuer.  Aber wenn man dranbleibt und langfristig denkt, kommt eines mit dem anderen.» Dazu gehört auch das Stromprodukt «so erneuerbar», das Kosta Urosevic von der Regio Energie bezieht. Es besteht aus 100 Prozent Wasserkraft aus dem In- und Ausland und ist entsprechend nachhaltig. Nach und nach wurden auch seine Nachbarn von der Elektromobilität überzeugt. In der Tiefgarage der Überbauung in Lommiswil mit Doppeleinfamilienhäusern aus den 1980ern ist bereits ein Viertel der Autos elektrisch. Gerade eben hat die Eigentümergemeinschaft an allen Stellplätzen Anschlüsse für künftige Wallboxen installiert. Auch das ist ein Schritt in Richtung Elektrifizierung. Die private Energiewende ist ansteckend.

PV-Anlagen, Wärmepumpen

Dass etwas geht, sieht man auch von aussen – immer mehr Wärmepumpen, immer mehr PV-Anlagen auf den Dächern. Die neue Anlage von Kosta Urosevic bedeckt etwa 65 Quadratmeter des Dachs und hat eine Leistung von 16 kWp. «Unser Dach hat eine Nordexposition», sagt er. «Unser Nachbar mit der Südexposition hat mit etwa 60 Prozent der installierten Leistung denselben Ertrag. Im Sommer decken wir unseren ganzen Verbrauch einschliesslich jener der Autos mit der PV-Anlage», erzählt er. Das zeigt, dass mit modernen Panels die Ausrichtung nicht mehr so wichtig ist und man PV-Anlagen mittlerweile auf jedem Dach bauen kann. Denn diffuses Licht, das von allen Richtungen auf die Panels trifft, erzeugt ebenfalls Strom. Dazu gehört ein Batteriespeicher mit einer Kapazität von 21 kWh. Damit rettet Kosta Urosevic den Strom des Tages in die Nacht und lädt damit die Elektroautos, die tagsüber unterwegs sind. Die Batterien machen den Haushalt im Sommer faktisch autonom – und entlasten das Stromnetz, weil sie Verbrauchs- und Produktionsspitzen brechen. Kosta Urosevic ist mittlerweile so versiert in Elektromobilität und erneuerbaren Energien, dass er seine Leidenschaft zum Beruf gemacht hat und Unternehmen in der Elektromobilität berät. Denn es gibt mittlerweile keine Argumente mehr gegen die eigene, private Energiewende. Und die ist ansteckend. 

Text: Andreas Schwander
Fotos: Michel Lüthi, Bildwerft.ch