Grundwasser statt Gas in der Schreinerei

Vor fünf Jahren übernahm die dritte Generation den Betrieb der Schreinerei Gebr. Frei AG in Deitingen. Danach suchte die Firma nach Ersatz für die Gasheizung und nahm Anfang dieses Winters die neue, von der Regio Energie Solothurn geplante Grundwasser-Wärmepumpe als Ergänzung zur bestehenden Holzschnitzelheizung in Betrieb.

Die allermeisten Menschen, die an der Schreinerei Frei in Deitingen vorbeifahren, nehmen wohl kaum Notiz von ihr. Der Betrieb liegt knapp 200 Meter von der Autobahn A1 entfernt, und in den rund 930000 Fahrzeugen, die auf ihr täglich vorbeibrausen, hat kaum jemand Augen für die Schreinerei. Dabei war sie schon vor der Autobahn da: Der A1-Abschnitt Kriegstetten–Oensingen wurde 1966 erstellt, zehn Jahre zuvor – 1956 – gründete Karl Frei die Einzelfirma «Schreinerei Karl Frei» und legte damit den Grundstein für das, was sich heute an der Hofuhrenstrasse 10 befindet und in dritter Generation geführt wird.

Immer mehr grosse Aufträge

«Wir sind ein Familienbetrieb», sagt Tobias Frei. Er setzt die Familientradition fort und ist Geschäftsführer der Schreinerei Gebr. Frei AG. «Wir sind ein  Betrieb, der alles, was er anbietet, selber zu machen versucht», führt er weiter aus. Möglichst keine Leistungen sollen von aussen bezogen werden, und so sind die Freis Herr über Produktion, Lackiererei, Montage und Planung. In den letzten knapp 20 Jahren hat sich der Betrieb mit 27 Mitarbeitenden (davon 7 Lernende) auch zunehmend auf grosse Aufträge ausgerichtet. «Mit der Grösse unseres Betriebs sind wir auf solche angewiesen. Wir sind so gewachsen und aufgestellt, dass die Arbeitsauslastung mit Aufträgen für Private zu gering wäre», weiss Frei. So wird immer wieder an Schulhäusern, Spitälern oder anderen grossen Projekten mitgearbeitet – oft mit  anderen, neuen Beteiligten, was aus seiner Sicht die Arbeit auch enorm spannend macht. Nach der Gründung durch Grossvater Karl übernahmen dessen drei Söhne – Hans, Gabriel und Bernhard  Frei – 1993 den Betrieb. Damit verbunden war ein Namenswechsel 1997, und das Unternehmen lief unter dem Namen «Schreinerei Gebr. Frei AG». Hans Frei stand bis vor gut fünf Jahren mit Betriebsleiter Kurt Hediger an der Spitze des Unternehmens. Beide haben 2020 das ordentliche Rentenalter erreicht und die Führung an ein junges Team mit Tobias Frei sowie dessen Cousin Simon Frei, Sebastian Issartel und Betriebsleiter Andreas Rohn übergeben. «Wir haben zu viert geschaut, wie wir den Betrieb übernehmen und die Bereiche unter uns aufteilen» führt Tobias Frei weiter aus. Dabei standen Hans Frei und Kurt Hediger mit ihrem Know-how und der jahrelangen Erfahrung dem Betrieb zur Verfügung. Sie wirkten nach der Übergabe weiterhin in einem reduzierten Pensum mit und unterstützen Tobias Frei und Andreas Rohn in ihren neuen Führungsaufgaben. Hans Frei ist auch noch heute aktiv dabei.

Grundwasser und Holz heizen 

Energieeffiziente Lösungen sind für die Schreinerei und deren Eigentümer schon lange ein Thema. Früh wurde gemeinsam mit Anstössern in nächster Umgebung, einige aus dem engsten Familienkreis, eine Nahverbundlösung realisiert: Eine einzige Heizung versorgte die nähere Umgebung. Um diese und andere energetische Fragen habe sich immer Gabriel Frei gekümmert, weiss Tobias von seinem  Onkel. «Er ist auch heute Bindeglied zwischen uns und der Regio Energie Solothurn.» Denn diese ist seit vielen Jahren Partner der Schreinerei und begleitet die Unternehmensleitung, wenn es um entsprechende Fragen geht – auch als in den letzten Monaten eine moderne Grundwasser-Wärmepumpe die alte Gasheizung abgelöst hat. Diese wird mit der bestehenden Holzschnitzelheizung kombiniert. Kaum hatte die dritte Generation den Betrieb übernommen, musste sie sich im Zuge des Angriffs Russlands auf die Ukraine wieder mit Energieversorgung und -kosten befassen. Schon länger hatten die Freis auf die Gelegenheit gewartet, die damals noch bestehende Gasheizung zu ersetzen. Nun war sie gekommen. «Wir haben diverse Möglichkeiten geprüft, und da das Contracting der bisherigen Versorgung auslief, kamen wir mit der Regio Energie Solothurn zusammen, um die Planung einer neuen Lösung anzugehen. Dabei hat uns diese in gewohnter Weise super beraten, gab uns Tipps und gleiste die neue Versorgungslösung auf.» Kurz vor Beginn der nun zu Ende gehenden Heizperiode konnte die neue Anlage in Betrieb genommen werden. Primäre Energiequelle ist das Grundwasser. Erst wenn diese nicht ausreicht, wird die Holzschnitzelheizung, in der auch Holzabfälle aus dem eigenen  Betrieb verfeuert werden, zugeschaltet. Damit ist das Heizsystem etwa das einzige in der Schreinerei Gebr. Frei AG, bei dem nicht Holz im Zentrum steht.

Text:Fabian Gressly
Fotos: Michel Lüthi, Bildwerft.ch