Pumpenballet im Wasserschloss

Gegenwärtig wird eine Transportleitung im Solothurner Wasserversorgungsnetz saniert. Damit immer gleich viel Wasser aus den Wasserhähnen sprudelt, ist ein ausgefeiltes Pumpenregime nötig, wenn nicht alle Leitungen zur Verfügung stehen.

Fliessendes Wasser ist nicht selbstverständlich, auch wenn wir es meist für selbstverständlich halten. Um eine zuverlässige Wasserversorgung sicherzustellen, saniert die Regio Energie Solothurn jedes Jahr Teile des weit verzweigten Leitungsnetzes. Gegenwärtig wird in einzelnen Etappen die grosse Transportleitung mit einem Rohrdurchmesser von 80 Zentimetern aus der Grundwasserfassung im Zubringerpumpwerk Dörnischlag in Luterbach zum Hauptpumpwerk Aarmatt in Zuchwil ersetzt. Während der Arbeiten in den ersten Monaten des Jahres konnten auch mehrere Pumpen, die das Wasser in die Reservoire befördern, vorübergehend nicht eingesetzt werden.

Zwei Drittel weniger Pumpenleistung

Das Solothurner Wasser stammt zu 25 Prozent aus Quellwasser und zu 75 Prozent aus Grundwasser, wie Niklaus Stuber (45) erklärt. Er hat auf Anfang Jahr die Position des Brunnenmeisters von seinem Vorgänger Heinz Haefeli übernommen, der nun in Pension geht. Im Hauptpumpwerk Aarmatt befördern leistungsfähige Pumpen das Wasser in die höhergelegenen Reservoire, insbesondere ins neue Reservoir Königshof. Denn ohne den Höhenunterschied gäbe es keinen Druck in den Leitungen. Mit dem etappenweisen Ersatz der alten Transportleitungen, die in den Jahren 1972 bis 1976 gebaut wurden, können die fünf Pumpen im Dörnischlag während der Bauarbeiten nicht eingesetzt werden. Dann stehen nur jene beiden im Zubringerpumpwerk Aarmatt zur Verfügung. Das erfordert ein spezielles Pumpenregime, damit die Reservoire trotzdem immer ausreichend gefüllt sind und die Feuerwehren im Notfall  genügend Wasser haben. Neben den eigenen Quell- und Grundwasserfassungen gibt es auch Verbindungen zu den Nachbargemeinden Grenchen und Derendingen, von denen Solothurn ebenfalls Wasser beziehen kann, falls Engpässe entstehen. Mit diesen beiden Gemeinden ist der Wasseraustausch so organisiert, dass diese umgehend zugeschaltet werden könnten. Zudem wird das Pumpenregime mit der Nachbargemeinde Zuchwil koordiniert, die nun ihr Wasser von der Aarmatt statt vom Dörnischlag erhält, quasi aus der Gegenrichtung. Deshalb pumpen die Regio Energie Solothurn und Zuchwil abwechselnd ihre Reservoire voll.

Sorgfältige Planung

Niklaus Stuber betont, dass dieses Pumpenregime  nun erstmalig während eines Bauprojekts angewandt wurde. Es war deshalb Teil der Planung der ganzen Erneuerung arbeiten. Denn es musste von Anfang an sichergestellt sein, dass das Herausreissen der alten Leitungen nicht zu Versorgungsengpässen führt. Zum speziellen Pumpenregime gehören genaue Notfallpläne und eine neue Ersatzpumpe, die innerhalb von zwei Tagen installiert werden könnte, falls eine bestehende Pumpe aussteigt.

Das System, das Stuber noch gemeinsam mit seinem Vorgänger ausgetüftelt hat, hat sehr gut funktioniert. Das Pumpenregime und auch die Bauarbeiten wurden so geplant, dass niemand bemerken sollte, dass irgendwo gebaut wird. Im Sommer, wenn der Verbrauch am grössten ist, wird nicht gebaut. Dann sind alle Leitungen und alle Pumpen im Einsatz. Erst im Herbst geht es weiter mit den nächsten Leitungsabschnitten. Denn eine gute Wasserversorgung ist dann perfekt, wenn es selbstverständlich ist,  dass aus allen Hähnen Wasser sprudelt.

Text: Andreas Schwander
Fotos: Michel Lüthi, Bildwerft.ch