Gast AG gibt Biogas

Für Nutzfahrzeuge ist für Daniel Gast, Inhaber der Gast AG, Biogas die einzig sinnvolle Alternative zu Diesel und Benzin. 

Ghüderwagen der Gast AG

Blitzblank poliert steht der Mercedes-Benz vor dem Firmengebäude der Gast AG im Industriequartier Utzenstorfs. 11 Tonnen Zuladung: viel Abfall. Ein Hightechgerät, fähig, zwei Container schneller zu wiegen und zu entleeren als die alten Fahrzeuge. Das beschleunigt die Entsorgungstour.

Daniel Gast lächelt zufrieden

Die Sonne lässt ihr Licht aufblitzen in den getönten Scheiben, der weisse Aufbau blendet fast. Daniel Gast lächelt zufrieden. «Ich liebe saubere Fahrzeuge», sagt er doppeldeutig, denn: Es ist der dritte gasbetriebene «Ghüderwagen» der Firma. «Für Nutzfahrzeuge die einzig sinnvolle Alternative zu Diesel und Benzin», sagt er.

Sohn Marc prüft in der Werkstatt einen Motor

Die dritte Generation arbeitet bereits mit. Es sieht gut aus für das breit abgestützte Familienunternehmen mit seinen mittlerweile 40 Mitarbeitenden: in allen drei Geschäftsbereichen, dem Reisebüro, den  Carreisen und dem Entsorgungsbusiness. In zwei Jahren feiert die Gast AG  ihr 50-Jahr-Jubiläum. Mit einem Car fing alles an, später kamen die  ersten Entsorgungsaufträge von Gemeinden, damals oft noch unkompliziert per Handschlag vergeben. «Heute wiegen die Vorschriften schwerer als früher», sagt Daniel Gast.

Mitarbeiter in Werkstatt mit Car

Das neue Fahrzeug

Die Anschaffung des neuen Kehrichtfahrzeugs mit Gasmotor war für Daniel Gast eine Sache der Überzeugung. Seine Verantwortung will er auch der Umwelt gegenüber wahrnehmen und bei Neuanschaffungen auf saubere Technologien setzen. Nicht auf die Elektromobilität; sie sei bei Nutzfahrzeugen derzeit noch kein Thema für die Firma, sagt er, «zu wenig Leistung und Reichweite». Erdgas sei als Primärenergie mit einem möglichst hohen Biogasanteil, wie es die Regio Energie Solothurn liefert, das Beste für die Umwelt und fürs Geschäft, sagt er. Daniel Gast ist ein kühler Rechner, pflegt die Leidenschaft seiner Eltern für schwere Fahrzeuge und die Lust am Unternehmertum, an Bauchentscheiden, die das Unternehmen so erfolgreich gemacht haben. Aus dem Carunternehmen wurde damals ein Entsorgungsunternehmen, weil zufällig ein anderes in Utzenstorf das Feld räumte. Vater Hans Gast packte die Chance. Und vor 30 Jahren mieteten Rockfans einen Car, ein Wort ergab das andere mit Sohn Daniel und seinem Vater – und plötzlich war die Idee geboren, Konzertreisen zu veranstalten. Heute gehört die Gast AG zu den führenden Unternehmen in dieser Nische.

Mitarbeiter Gast AG vor Ghüderwagen

Gast ist kein Grüner

Die Grüngutabfuhr entstand ganz einfach aus dem Gefühl heraus, dass es nicht gut sein kann, biologische Abfälle einfach wegzuschmeissen. Heute macht sie rund die Hälfte des Entsorgungsgeschäfts aus. Die Gasts packten auch hier ihre Chance konsequent: Es begann 1987 mit der Feldrandkompostierung direkt bei den Bauern. Hans Gast optimierte die Logistik, sparte unnötige Fahrten ein und ermöglichte mit einem selbst entwickelten Schredder die Grüngutverwertung auf dem Fahrzeug selbst. 

Seit 2007 sind die Gasts gemeinsam mit der Regio Energie Solothurn an der Kompogas Utzenstorf AG beteiligt, wo das eingesammelte Grüngut seither direkt verwertet wird – gleich neben dem Hauptsitz der Gast AG. Naheliegend, dass die Gast AG auf Biodiesel umstellte, bereits als der Treibstoff auf den Markt kam. Naheliegend, heute auf Erdgas und Biogas zu setzen. Auch dann, wenn die Ölheizung ersetzt werden wird, was den heutigen Verbrauch von rund 30 000 Kilogramm pro Jahr weiter in die Höhe treiben wird. Strom will Gast künftig vom eigenen Dach beziehen, eine von dritter Seite privat betriebene Solaranlage ist bereits installiert, die rechtlichen Voraussetzungen für den Strombezug fehlten noch. «Die Gasts sind aber keine Grünen», wehrt er den Eindruck ab. «Wir wollen nur verantwortungsvoll handeln.» Dazu gehört auch, die technische Entwicklung von Erdgasmotoren weiterzuverfolgen und sie auch für Carfahrten zu nutzen, sollte sich das rechnen und ohne Komforteinbussen möglich sein.

Drei Männer vor einem Ghüderwagen
Mitarbeiter mit Ghüderwagen in Firma

Aufbruch

Nachhaltigkeit ist dem Firmenchef besonders wichtig, davon zeugt nicht nur der Regio Energie Preis 2009, sondern seine grundsätzliche Haltung. «Wir müssen nicht immer grösser werden», sagt er, «nur unseren Verpflichtungen nachkommen, unseren Kunden, unseren Mitarbeitenden, aber auch der Umwelt gegenüber.» Viel Potenzial sei noch vorhanden in der Region, besonders bei der Grüngutabfuhr, die die Politiker in den Gemeinden stärker fördern sollten, sagt er, «etwa durch Einschluss in die Grundgebühr». 

Biogas sieht er als wertvolle Ergänzung im Energiemix, macht jedoch eine Einschränkung: «Man darf es nur aus biologischem Abfall gewinnen, so wie es in der Schweiz gemacht wird, nicht etwa aus Energiepflanzen.» Obwohl die  Abfallwirtschaft wichtig sei, dürfe man es nicht übertreiben. «Recycling sollte vernünftig sein», sagt er, «denn Abfallvermeidung ist immer noch die bessere Lösung.» Mit der Regio Energie Solothurn pflegt die Familie Gast eine langjährige Zusammenarbeit, seit der Anschaffung der ersten erdgasbetriebenen Kehrichtfahrzeuge.

Seitenansicht Ghüderwagen der Gast AG
Mitarbeiter leert Grüncontainer in Ghüderwagen


Damals forderte er die Errichtung einer Erdgastankstelle in Utzenstorf und rang der Regio Energie Solothurn das Versprechen ab, sie zu bauen, wenn er ein zweites Fahrzeug anschaffen würde – was kurz darauf geschah. Seither tanken die Kehrichtfahrzeuge der Familie Gast bei der Landi in Utzenstorf und sind Woche für Woche unterwegs in der Region. Auch der stolz glänzende. Hightech-Abfallsammler muss jetzt auf die Tour. Daniel Gast klopft an die Fahrertür, der Fahrer gibt Gas.

Text: Bruno Habegger