Versteht sich von selbst

Sie sind Nachbarn und haben im weitesten Sinne mit Farben zu tun. Doch vor allem teilen sich die Vogt-Schild Druck AG und die Brönnimann Industrielackierwerke AG eine Wärmequelle. Aus Überzeugung und nun auch mit Auszeichnung. 

Weit sichtbar ragt in Derendingen der schräge rote Balken vom Gebäude über das Mittelland und die nahe A1. Während auf der Autobahn bis zu 100 000 Autos pro Tag Erdöl verbrennen, sind daneben zwei anzutreffen, die mit Ressourcen haushalten: Die Druckerei Vogt-Schild und die benachbarte Industrielackiererei Brönnimann sparen mit einem Wärmeverbund Energie, Kosten und CO2. Aus Eigeninitiative, partnerschaftlich. Dafür haben sie dieses Jahr den «Regio Energie Preis» erhalten.

Nicht verschwenden

Der Auslöser und Wärmelieferant für den Verbund steht in der neuen Halle der Druckerei und nimmt zwei Stockwerke ein. Eine Druckmaschine des deutschen Herstellers Manroland. Sie ist gespickt mit modernster Technik: Im Untergeschoss werden tonnenschwere Papierrollen automatisch aufgeladen, abgespult und oben von fünf Farbwerken beidseitig bedruckt. Schliesslich durchlaufen sie eine Heizungsanlage, deren Abgase noch einmal nachverbrannt werden. Und so entsteht Abwärme, die heute die Druckerei heizt. Und dem Nachbarn nützt. 

«Als Ingenieur tut es mir immer weh, wenn etwas verschwendet wird», 

sagt Rolf Steiner, Geschäftsleiter der Vogt- Schild Druck AG. Denn die produzierte Abwärme wird in der Druckerei im Sommer nicht gebraucht. Die Idee eines Wärmeverbunds hat Steiner schon vor fast zehn Jahren zusammen mit der Brönnimann Industrielackierwerke AG skizziert. 2016 ist sie wieder aktuell geworden, mit dem Bau der neuen Druckanlage. Heute nutzt Brönnimann Überschusswärme von Vogt-Schild. Die bis jetzt letzte Massnahme in einer langen Liste: «Wir verwenden zum Beispiel Grundwasser zum Kühlen der Druckmaschinen und produzieren so wenig Makulatur wie möglich», sagt Rolf Steiner. 

Mitarbeiter in der Firma Brönnimann

Unkomplizierte Aufteilung

 In der Industrielackiererei nebenan werden Becken konstant geheizt, um die Teile vor dem Pulvern und Lackieren vorzubehandeln. Früher mit Öl, heute mit Erdgas und der verfügbaren Druckereiabwärme. Fast 40 000 Liter Heizöl spart sich Marc Kurt so – eine Einsparung, die er mit Rolf Steiner und Vogt-Schild teilt, ebenso wie die Fördergelder, welche aufgrund der CO2-Einsparungen vor Ort dem Unternehmen von Marc Kurt angerechnet werden. «So unkompliziert ginge das nicht mit jedem Nachbarn. Zum Glück funktioniert es bei uns», meint er. Industrielackierwerke hätten punkto Umweltschutz einen schlechten Ruf, meint Marc Kurt. «Das hier ist zum Beispiel ein Energievernichter» – in einem Nebengebäude der Firma zeigt er einen Einbrennofen, in dem Metallteile verschwinden. Wegen der Distanz lasse sich dessen Abwärme nicht nutzen. Er schiebt eine Tür des Ofens auf: «Doch die hier werden demnächst durch automatische ersetzt», was wieder etwas Energie einspart. Bereits vor mehr als zehn Jahren hat die Brönnimann Industrielackierwerke AG Schwermetalle aus den Prozessen verbannt und die Produktion auf einen abwasserfreien Betrieb umgestellt. Wie alles, was die beiden Unternehmen am Rand von Derendingen tun: ganz selbstverständlich.   

Energiezeitschrift (2/2018),  Paul Drzimalla